Nachforschungen zum verschwundenen Nazi Gold
Date: Sunday, March 02 @ 16:15:27 CET
Topic: 2nd World War


Im "Guinness-Buch der Rekorde" wird das Verschwinden des Staatsschatzes des "Dritten Reichs" als "größter Raub der Welt" bezeichnet. Diese Notiz lässt aufhorchen. Der englische Autor und Historiker Ian Sayer wird durch sie zum obsessiven Schatzjäger. Seine Suche nach dem Reichsbankgold gerät jedoch zunächst in allerlei Sackgassen. Wird es Sayer gelingen, den verschollenen Goldschatz aufzuspüren?

Zunächst recherchierte der britische Historiker, welchen Weg der Schatz in den Wirren der letzten Kriegstage genommen hat. Nach 26 Jahren intensiver Nachforschungen meinte Sayer, das Geheimnis um das Gold der Nazis endlich lüften zu können. Auf eine erste heiße Spur war Sayer in seiner Heimat gestoßen. Im Mai 1997 meldete die Bank von England, es wären in den Währungsreserven "plötzlich" zwei Goldbarren aus dem NS-Vermögen gefunden worden. Doch wie waren sie dorthin gekommen?

Sayer recherchierte eine erstaunliche Geschichte: Soldaten der Dritten US-Armee hatten Anfang April den kleinen Ort Merkers in Thüringen besetzt. Dort erwartete sie eine imposante Kriegsbeute: in den Stollen einer Kali-Mine entdeckten die Amerikaner mehr als 8.000 Goldbarren. Der Löwenanteil des Reichsbankschatzes? Auf jeden Fall ein atemberaubender Fund. Und die Offiziere machten noch eine Entdeckung: sie fanden die Bilanz-Unterlagen der Reichsbank. Doch wo befindet sich der Rest von Hitlers letzten Reserven?

Im November 2000 machte sich ein Team um Schatzjäger Ian Sayer gemeinsam mit weiteren Schatzsuchern zur "Alpenfestung" auf, um 1.600 Meter über dem Walchensee nach den Resten des Reichsbankgoldes zu forschen. Zum Suchtrupp gehörten auch der Münchner Kaufmann Rudolf Elender und seine Schatzjäger-Freunde, die dem NS-Schatz seit Jahren auf der Spur sind.

Die Nachforschungen führten sie zunächst an einen abgelegenen Ort an der Südspitze des Walchensees. Im April 1945 war hier im Forsthaus Einsiedl Platz für Hitlers letzten Reserven geschaffen worden, die schließlich in die umliegenden Berge gebracht wurden. Heute sind die alten Schatzdepots zugewachsen und im hügeligen Waldboden kaum noch auszumachen. Wirklich lohnende Beute ist mit einfachen Detektoren kaum zu orten. Bei der Goldsuche setzte das Team daher modernstes technisches Gerät ein.

Die Schatzjäger suchten zunächst den Simatsberg und den Steinriegel ab. Dabei folgten sie den Markierungen einer überraschend entdeckten Schatzkarte aus dem Nachlass eines Gebirgsjägers. Auch der ausführliche Rechenschaftsbericht des Reichsbank-Oberkassierers Georg Netzeband gab wichtige Hinweise.

Aber Ian Sayer lagen weitere wertvolle Informationen vor: Die Amerikaner hatten "nur" die Goldbarren gefunden. Wo sind die anderen Werte abgeblieben? Die sichergestellten Dokumente erwähnen weder Goldmünzen noch Säcke voller Geldnoten. Eine Quittung der Siebten US-Armee belegt nur den Fund der Goldbarren aus dem Reichsbankschatz.

Und tatsächlich: Anfang Juni 1945 waren einige deutsche Kriegsgefangene vom US-amerikanischen "Goldrush-Team" unter Druck gesetzt worden. Hauptmann Heinz Rüger, ehemaliger Offizier der Gebirgsjägerschule, hatte das Versteck der Goldbarren schließlich preisgegeben. Die Soldaten des 55. Pionierbataillons machten daraufhin den Fund ihres Lebens. Ihre Schnappschüsse sind die einzigen authentischen Aufnahmen vom Reichsbankgold.

Keiner der GIs konnte sich aber an Devisen erinnern. Es muss also jemand vor den Amerikanern an den Depots gewesen sein. Zeugenaussagen einiger Beteiligter nach dem Krieg belegen: Am 29. April 1945 ließ Oberst Pfeiffer, Kommandeur der Gebirgsjäger-Offiziere, seine Männer die Depots am Klausenkopf öffnen und befahl ihnen, neue Löcher zu graben. Vor allem die leichteren Säcke mit den Devisen wurden umgelagert, die Goldbarren blieben unberührt. Die Beteiligten vereinbarten absolutes Stillschweigen und erfanden eine Legende für etwaige Vernehmungen: Die SS habe den Schatz nach Tirol transportiert. Hauptmann Rüger, der später im Verhör den entscheidenden Hinweis gab, konnte diese Aktion nicht verraten, denn er war nicht eingeweiht worden.

Einer der Gebirgsjäger-Offiziere gab Jahre später Hinweise auf das verschollene NS-Vermögen. "Den Amerikanern gegenüber haben sie sich an ihre Geschichte gehalten. Den Kameraden gegenüber nicht. Unser Informant war mit dem Gebirgsjäger befreundet. Dieser Gebirgsjäger war von Anfang an dabei. Von ihm stammt der Tipp, und er hat einmal eine Ortsangabe gemacht", so Schatzjäger Rudolf Elender.

Die Ortsangabe des Gebirgsjägers wollen die Schatzjäger mit Hilfe eines alten Luftbildes und einer neuen Karte bei einem Flug über die Region überprüfen. Die Offiziere sollen damals einen Teil der Devisen mit Maultieren auf einen Berg im Estergebirge gebracht haben. Ziel des Fluges ist ein Murenabgang achthundert Meter über dem Walchensee. Das Team sucht die schwer zugängliche Stelle an der Nordseite des Hanges. Der Pfad für die Maultiere ist zunächst nicht zu finden, doch die Schatzjäger wollen den Aufstieg in das steile, unübersichtliche Gelände wagen.

Zwei Tage geben sich die Männer, um die Stelle zu untersuchen, an der sie einen Teil des Reichsbankschatzes vermuten. Im Wald finden sie dann tatsächlich Spuren eines aufgelassenen Pfades. Schließlich erreichen sie die Mure.

In diesem Gelände verzichten die Schatzsucher auf Detektoren. Den aufgewühlten Untergrund wollen sie mit einer Art Bodenradar untersuchen - die einzig präzise Messmethode bei Schnee und schwierigem Gelände. Dazu muss das Team sein Suchfeld in gleichmäßige Sektoren unterteilen. Entlang der Bahnen schickt das Gerät elektromagnetische Langwellen in den Boden. Unterirdische Hohlräume oder andere Anzeichen von Grabungen können auf diese Weise vermessen werden. EMFAD, die elektromagnetische Feldanomalie-Detektion, hilft so, teure Probebohrungen zu vermeiden.

Am Abend des zweiten Tages präsentiert der Geophysiker Georg Brede die Auswertung seiner Aufzeichnungen. Die Aufnahmen eröffnen einen Blick in den Untergrund des Berges. Die blauen Felder machen Bodenstörungen sichtbar. Doch die Hoffnungen auf eine Sensation schwinden. Es gibt kein Anzeichen für einen künstlich geschaffenen Hohlraum und somit keinen Hinweis auf ein Schatzdepot.

Wo sind die fehlenden Devisen und das Gold aus dem Reichsbankschatz? Möglicherweise liegt der Schlüssel bei Oberst Franz Pfeiffer. In den Wochen nach Kriegsende lebte er versteckt in den Bergen. In dieser Zeit soll er die Devisensäcke aus dem Schatz ein drittes Mal vergraben haben. Mehrfach übergab er Dollarfunde an die Amerikaner. Als die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, lebt Pfeiffer in Argentinien. Die Vorwürfe verjähren, das Geld bleibt verschwunden. Weder im US-Verteidigungsministerium noch in den Archiven der US-Armee gibt es Hinweise auf den Verbleib des Vermögens.

Franz Pfeiffer hat die Geheimnisse um das Reichsbankgold schließlich mit ins Grab genommen. Auch alle anderen unmittelbar Beteiligten sind inzwischen verstorben. Für die Schatzjäger ist dies aber nur das vorläufige Ende einer spannenden Geschichte: 36 Kisten mit Gold, die in Einsiedl lagerten, werden noch vermisst.





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